Rainbow Rowell im Interview

Ist Rainbow Ihr wirklicher Name?
Jep.

Warum haben Ihre Eltern Sie Rainbow genannt?
Gute Frage! Wahrscheinlich ist die beste Antwort, weil es die 70er-Jahre waren. Und obwohl meine Mutter behauptet, kein Hippie gewesen zu sein, bin ich ziemlich sicher, dass sie es doch war. Ich mochte den Namen Rainbow nie – das ist ein Name, den man seinem Plüsch-Einhorn gibt – aber ich schätze es sehr, einen ungewöhnlichen Namen zu haben. Er fällt auf. Und er gab mir immer das Gefühl, dass es okay ist aufzufallen. Anders zu sein.

Glauben Sie, dass Ihr Name die Wahrnehmung Ihrer Person beeinflusst hat? Fühlen Sie sich durch den Blick auf Ihren Namen eingeschränkt?
Hmmm. Das ist eine interessante Frage! Ich glaube, dass mein Name in den meisten Situationen erst mal eine Bürde ist. Die Leute glauben, dass ich ihn mir selbst ausgesucht habe, und dann überlegen sie sich, welcher Mensch sich einen Namen wie Rainbow aussucht. (Niemand, der ernst genommen werden will.) Ich glaube, das hat anfangs meinen Beruf schwieriger gemacht, als ich als Kolumnistin für die Zeitung arbeitete, und es hat sicher auch nicht geholfen, einen Literaturagenten zu finden.

Andererseits fällt den Leuten mein Name immer auf, und sie erinnern sich daran. Also, wenn ich durch die »Ist das Ihr wirklicher Name?«-Phase durch bin, entwickelt er sich zu einem Vorteil. Und mit einem seltsamen Namen aufzuwachsen gab mir immer die Erlaubnis, anders als die Gleichaltrigen zu sein. Wenn man Rainbow heißt, verschwindet man nie in der Masse. Als ich endlich den peinigenden Grundschulwunsch nach Anonymität überwunden hatte, wurde es sehr befreiend. Wenn ich mich nicht unter die anderen mischen kann, darf ich einfach auch ich selbst sein.

Haben Sie einen Lieblingsleseplatz?
Ich lese sehr gern im Bett – jede Nacht stundenlang, bevor ich einschlafe. Und im Flugzeug.

Wollten Sie immer schon Autorin werden?
Ich habe immer gerne gelesen, aber Bücher zu schreiben habe ich nie ernsthaft als Berufswunsch in Betracht gezogen. Das erschien mir wie ein Job aus dem Märchen, so wie Ballerina oder Filmstar. Aber ich habe schon sehr früh angefangen zu schreiben. Dafür bekam ich von meinen Lehrern immer den meisten Zuspruch. Also schrieb ich für die Highschool-Zeitung und studierte anschließend Journalismus, Marketing und Englisch. Als ich das Studium abgeschlossen hatte, fing ich bei einer Zeitung an und war dort zehn Jahre Kolumnistin. Danach habe ich in der Werbung gearbeitet ... Aber da schrieb ich nicht wirklich Romanliteratur.

Wie würden Sie das Buch ›Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow‹ bezeichnen?
Ich glaube, es ist ganz einfach Fiction. Manche Leute haben gesagt: »Oh, Sie schreiben Fanfiction für Ihr eigenes Buch!« Ich glaube nicht, dass es Fanfiction ist, es ist mehr wie ein Grundprinzip. Denn obwohl Simon in Fangirl eine fiktionale Figur ist, musste ich ihn mir dennoch ausdenken. Er fühlt sich immer noch wie »meine Figur« an.

Hat Fanfiction Ihrer Ansicht nach die Jugendliteratur verändert?
Es wäre etwas verfrüht, das endgültig zu beantworten. Aber ich glaube, dass Fans und Fanfictiongemeinden junge Autoren inspiriert haben. Das Internet bietet ihnen eine Plattform, vor Publikum zu schreiben und zu üben. Kreative, lesebegeisterte Jugendliche – Autoren und Künstler – posten ihre Sachen und finden ihre Leser. Das gehört zu ihrer kreativen Entwicklung. Die künftigen Jugendliteratur-Autoren schreiben Fanfiction. Das Schöne an Fangemeinden ist auch, dass Leute weiterhin Fanfiction schreiben und lesen, dass sie Kunst machen, auch wenn sie keine Profis sind. Es ist ein reichhaltiger, schöpferischer Teil ihres Lebens. Und selbst Profis lassen sich vom Fankult inspirieren, weil es etwas ist, dem man nicht entwachsen oder das man hinter sich lassen muss.

Was war Ihre Inspiration zu ›Fangirl‹?
Ich glaube, es begann mit dem letzten Harry Potter-Film. Das Ende der Buchserie war für mich okay, weil man sich ja noch auf die Filme freuen konnte. Aber nachdem der letzte Film – Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – in den Kinos war, war die Harry Potter-Welle endgültig vorbei, und darauf war ich nicht vorbereitet. Ich ging auf eine Fan-Tour und las so viel Fanfiction wie möglich.
Und ich fing an darüber nachzudenken, wie viel einfacher es in meiner Jugend war, ein Fan zu sein. Als Teenager hab ich auch schon Fanfiction geschrieben, aber ich wusste nicht, dass man es so nennt, und ich hatte auch niemanden, mit dem ich es teilen konnte. Wenn ich damals Zugang zum Internet und zu Fangemeinden gehabt hätte, wäre mein Leben anders verlaufen. Im Guten wie im Schlechten. (Das Internet bringt wirklich meine Stärken und Schwächen hervor.)
Also, aus dem heraus entstand Cath. Sie ist eine Autorin, die mit dem Fankult aufgewachsen ist, und jetzt muss sie sich überlegen, wie der Fankult in ihr Leben passt – oder wie alles andere drum herum passt.

Sie schreiben in Fangirl sehr einfühlsam und glaubwürdig über psychische Probleme. Cath befürchtet, dass ihr Vater Arthur unter Depressionen leidet. Und Wren kämpft mit Alkoholproblemen. Warum waren Ihnen diese Themen wichtig?
Oh – danke. Für mich war es nicht wichtig, über diese Themen zu schreiben. Aber mir lag daran, dass Cath wie ein realer Mensch aus Fleisch und Blut wirkt. Und in meiner Vorstellung gehörten psychische Probleme von vornherein zu ihrer Geschichte. Angst, bipolare Störung, Alkoholmissbrauch – das alles sind Phänomene, die mein Leben tangieren, die mich und von mir geliebte Menschen betreffen. Folglich überrascht es nicht, dass sie bei diesen Figuren in Erscheinung treten.

Ist das Buch ›Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow‹ aus den übrig gebliebenen Simon-Snow-Abschnitten von ›Fangirl‹ entstanden?
Die haben es wirklich nicht ins Buch geschafft. Der Simon Snow in ›Fangirl‹ war ein anderer Simon Snow. Als ich als (erfundene Autorin von Simon Snow) Gemma T. Leslie schrieb, versuchte ich mich in diese Atmosphäre der britischen Kinderliteratur hineinzuversetzen und schrieb in der Tonlage sehr traditioneller Kinderbücher. Als Cath schrieb ich auf die Art, wie ein talentierter Teenager romantische Fantasy schreiben würde. Keine dieser beiden Stimmen bin ich. Als ich mit meinem eigenen Simon Snow anfing, war es mehr wie das, was ich mit dieser Figur tun würde.

Hatten Sie schon immer vor, ein Follow-up über Simon und Baz zu schreiben – oder haben Sie sich einfach während des Schreibens in die Figuren verliebt?
Der Plan war nicht, ein ganzes Buch zu schreiben – auch nicht, als ich schon damit begonnen hatte. Ich wollte einfach eine Kurzgeschichte schreiben. Wie einen Bonus-Track. Ja, und dann hab ich mich auf einmal so in die beiden verliebt – besonders in Baz! –, dass ich nicht mehr aufhören konnte. Die Geschichte wurde immer länger und komplexer, bis daraus mein bisher dickstes Buch wurde.

Es muss ein ungeheurer Spaß sein, eine magische Welt zu erfinden, in der alles möglich ist.
Alles ist möglich, aber auf der anderen Seite willst du ja auch, dass deine Welt und deine Magie nicht so ist wie die von jemand anderem. Welche magischen Gegenstände sind eigentlich schon Allgemeingut, die in jeder Fantasy-Geschichte vorkommen? Und was klingt zu sehr nach dem Buch, das ich in der sechsten Klasse gelesen habe? Da würde ich dann stecken bleiben und müsste mich daran erinnern, dass ich nicht wirklich weiß, wie die Magie in meinen Lieblingsgeschichten funktioniert.
Ich weiß nicht wirklich, wie »die Macht« arbeitet, und als George Lucas es mir zu erklären versuchte, war das ziemlich enttäuschend. Es verwirrt mich, speziell über die Magie in Harry Potter oder Herr der Ringe zu sprechen. Ich versuche mich nicht zu sehr mit den Details zu befassen, wie es genau funktioniert. Es ist Zauberei! Dafür gibt es keine rationale Erklärung. Ich hab nur versucht, stimmig zu bleiben. Wenn man seine eigenen Regeln bricht, fällt es in sich zusammen.

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